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Interview Bioseite 2026/1

Celine und Jonas Engeloch, LandWIRT

Celine und Jonas Engeloch produzieren nicht irgendeinen Burger. Jede Zutat und jeder Arbeitsschritt sind genaustens durchdacht und alles mit viel Leidenschaft hergestellt. Die Produkte stammen grösstenteils aus dem eigenen Gemüsegarten, von den Milchkühen des elterlichen Betriebes oder von befreundeten Landwirtschaftsbetrieben aus der Region. Bio durch und durch. Ihre Burger verkaufen sie unter dem Label «Bio Cuisine». Da sie 100 % Bio-Zutaten verwenden, sind sie mit 3 Sternen ausgezeichnet. In ihrem Foodtruck findet man sie als Catering bei Privat- oder Firmenanlässen. Celine ist gelernte Köchin, Bio-Kontrolleurin und schliesst dieses Jahr als Bäuerin FA ab. Jonas ist Zimmermann und Bio-Landwirt. Ich habe mit Jonas gesprochen, um mehr über sie und ihre Firma LandWIRT herauszufinden.

Jonas, was treibt euch an?
In einigen Jahren möchten wir den Betrieb von meinen Eltern übernehmen. Bis dahin haben wir aber noch viel Zeit, andere Projekte zu realisieren und auf diese Übernahme hinzuarbeiten. Das Burger-Catering soll dann ein Nebenerwerb sein, welcher auf dem Betrieb bleibt. Wir wollen unsere eigenen Produkte veredeln und direkt an die Kundschaft bringen, um die Wertschöpfung auf dem Hof zu behalten.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?
Sowohl die ökologische als auch die wirtschaftliche Nachhaltigkeit sind für uns und die Firma zentral. Wir versuchen, auf ganzer Ebene und in jedem Bereich den Nachhaltigkeitsaspekt einzubringen. Um nachhaltig zu sein, ist der direkte Kontakt zu den Produzenten unserer Produkte sehr wichtig, um klar nachvollziehen zu können, welches Produkt woher kommt und wie es produziert wurde.

Lässt sich euer Foodtruck gut mit euren anderen Berufstätigkeiten vereinbaren?
Im Moment arbeitet Celine auswärts und ich 60 % als selbstständiger Zimmermann, die restliche Zeit nutzen wir für unseren Garten und den Foodtruck. Die Anlässe sind meist am Abend oder am Wochenende und die Vorbereitungen können wir selbst einteilen. Somit passt das gut mit unseren anderen Jobs. Wir wollen nicht zu gross werden, damit wir dies auf dem zukünftigen Landwirtschaftsbetrieb weiterhin machen können. Dieser Nebenerwerb soll später mit Familie und Hof vereinbar sein.

Wie vermittelt ihr eurer Kundschaft die Regionalität und hohe Qualität eurer Produkte?
Unsere Arbeit basiert auf einer Ideologie, die wir bewusst vorleben möchten. In unserem Foodtruck hängen Fotos, die alle Verarbeitungsschritte zeigen – vom Anbau über die Ernte bis zur Produkteverarbeitung. Man sieht zum Beispiel, wie wir die Essiggurken einmachen, mich beim Melken, Celine beim Käsen und Brötchenbacken. Unsere Erfahrung zeigt: Das Bio-Label allein ist nicht ausschlaggebend für die Kundschaft, einen höheren Preis zu bezahlen. Viel wichtiger ist für sie zu sehen, dass alles regional und selbst gemacht ist und wie viel Arbeit, Engagement und Liebe drinsteckt. Wenn dieser Aufwand sichtbar wird, sind Kundinnen und Kunden auch bereit, den entsprechenden Preis zu bezahlen. Unsere Werbung erfolgt hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda, unsere Website, Flyer und die Märkte.

Welche Zutaten müsst ihr von extern zukaufen? Gibt es Produkte, bei denen ihr Kompromisse machen müsst?
Das Frittieröl ist zwar Knospe-Bio, jedoch aus der EU. Schweizer Bio-Frittieröl ist kaum verfügbar und wenn, dann sehr teuer. Auch die Pommes frites machen wir nicht selbst, wir kaufen sie ein. Es fehlen uns der Verarbeitungsraum und die Geräte dazu. Dies würde für uns eine grosse Investition bedeuten, falls wir diesen Verarbeitungsschritt in Zukunft auch selbst machen wollen.

Euer Foodtruck ist mit drei Bio-Cuisine-Sternen ausgezeichnet. Was bedeutet das?
Das Label «Bio Cuisine» gibt es noch nicht sehr lange: Es wurde im Januar 2023 eingeführt – zeitgleich mit der Gründung unserer Firma. Damit wurde erstmals eine offizielle Bio-Zertifizierung für die Gastronomie möglich, was für uns von Beginn an sehr wichtig war.
Die Auszeichnung mit drei Bio-Cuisine-Sternen bedeutet, dass 90 bis 100 Prozent der von uns eingekauften Produkten aus biologischer Herkunft stammen, 2/3 davon sind Knospe-Produkte. Zudem sind jährliche Schulungen, transparente Dokumentation und regelmässige Kontrollen vorgeschrieben. Das Label passt perfekt zu unserer Philosophie und macht für unsere Kunden nachvollziehbar, wie konsequent wir auf Bio setzen.

Du hast die Nachholbildung auf dem Schwand absolviert, worin siehst du die Vorteile dieser landwirtschaftlichen Ausbildung?
Die Nachholbildung ist für mich der einzige sinnvolle Weg, die landwirtschaftli-che Ausbildung zu absolvieren, wenn man schon selbständig ist und sich ein eigenes Leben aufgebaut hat. Eine reguläre Ausbildung wäre für mich finanziell nicht möglich gewesen. Trotzdem ist diese dreijährige Ausbildung sehr fundiert. Als Nachteil sehe ich nur die verminderte Praxiserfahrung, weil man nicht fix ein oder zwei Jahre auf demselben Landwirtschaftsbetrieb bleibt.

Was hat dich am meisten geprägt aus dieser Zeit in der Berufsschule?
Der Schwand war für mich sehr inspirierend. Dort habe ich gelernt, Landwirtschaft ganzheitlich zu denken. Es geht nicht nur darum, Lebensmittel zu produzieren, sondern auch zu verstehen, wohin diese gelangen und wie sie weiter-verarbeitet werden – Verantwortung für die gesamte Lebensmittelkette zu übernehmen.

Es darf uns nicht egal sein, wo die Milch landet, die wir mit viel Engagement und Leidenschaft produzieren. Landwirt-schaft endet nicht beim Melken – sie reicht bis zum Teller.

Betriebsspiegel

Geschäftsführerpaar: Celine und Jonas Engeloch

Label und Ideologie: 100 % «Bio Cuisine», vom Feld auf den Teller

Produkte: Burger mit Kuhfleisch oder Grillkäse aus dem Milchwirtschaftsbetrieb von Jonas’ Eltern. Mit frischem Gemüse aus dem Garten, selbst gebackenen Brötchen aus Mehl, für das der Weizen an der Gürbe wächst, Raclettekäse und Speck – Bio Suisse, aus der Region. Dazu Bio-Pommes-frites mit hausgemachtem Ketchup.

Lust, die leckeren Burger zu probieren? Unseren Foodtruck findet ihr auf dem Berner Bio-Märit Anfang September auf dem Bundesplatz, am Wattenwil-Märit oder an eurem nächsten Fest als Catering.